Juristische Ausbildungszeitschriften

Von RA Frank Hofmann, Freiburg

Mit der NRÜ aus dem Hause Nomos ist eine neue Ausbildungszeitschrift für Jurastudierende auf dem Markt, und nach einem dreiviertel Jahr lässt sich sagen: Sie macht ihre Sache ganz fantastisch. Grund für das Repetitorium Hofmann, sich den Markt der juristischen Ausbildungszeitschriften einmal näher anzugucken.

Der Beitrag befasst sich mit folgenden Zeitschriften: JuS, JA, JURA, , Hemmer Life & Law, NRÜ und der zjs. Bis auf die zjs wurden andere online-Projekte (wie z. B. freilaw und das Bucerius Law Journal der Bucerius Law School) ausgeklammert, da eine Konzentration auf diejenigen Zeitschriften erfolgen sollte, die regelmäßig und in großer Zahl Übungsfälle sowie examensrelevante Rechtsprechung präsentieren.

Die klassischen Ausbildungszeitschriften

Zu den klassischen Ausbildungszeitschriften, die in den führenden juristischen Verlagen erscheinen und von einem Kollegium von Professoren herausgegeben werden, gehören die JuS, die JA und die JURA. Ihr großer Vorteil liegt darin, dass hier eine große Zahl von Fällen aus Uni-Klausurenkursen und Hausarbeiten zeitnah mit kompletter Musterlösung abgedruckt werden. Die Examensrelevanz der dort besprochenen Fälle ist erfahrungsgemäß hoch einzuschätzen.

JuS

Die JuS ("Juristische Schulung") erscheint im Beck-Verlag und ist der Marktführer unter den Ausbildungszeitschriften. Ihr besonderer Vorteil liegt darin, dass sie wegen des besonderen Engagement des Beck-Verlages im online-Geschäft die beste Verknüpfung mit einem online-Angebot für Studierende hat. Besonders positiv ist auch zu vermerken, dass der JuS regelmäßig ein Magazin beiliegt, in dem es nicht ganz so steif und juristisch zugeht und auch einmal Themen wie Praktika oder LL.M. in interessanten Ländern erörtert werden.

Schließlich zeichnet sich die JuS unter den klassischen Ausbildungszeitschriften durch einen besonders günstigen Preis aus.

JA

Auch durch die JA ("Juristische Arbeitsblätter") aus dem Wolters Kluwer Verlag wird man im Hinblick auf aktuelle Rechtsprechung sowie Übungsfälle bestens versorgt.

Da die Unterschiede zwischen den klassischen Ausbildungszeitschriften bezüglich der besprochenen Fälle sowie der Zahl der enthaltenen Entscheidungen aus der Rechtsprechung nicht so groß sind, seien an dieser Stelle zwei Nebenaspekte erwähnt, durch die sich die JA aus der Gruppe der juristischen Ausbildungszeitschriften hervorhebt: Zum einen bemüht sich die JA stärker als alle anderen Zeitschriften besonders um die Belange der Referendare.

Zum anderen ist sie in meinen Augen die Zeitschrift mit dem mit Abstand angenehmsten Schriftbild und Design.

JURA

Die Besonderheit der JURA ("Juristische Ausbildung") aus dem Verlag Walter de Gruyter ist das von ihr entwickelte Karteikartensystem für aktuelle Rechtsprechung. Jedem Heft liegen einige aktuelle Entscheidungen aus der Rechtsprechung als Karteikarten bei. Wer gerne mit Karteikarten arbeitet, kann sich auf diese Weise rasch eine Sammlung der examensrelevanten Rechtsprechung anlegen.

Etwas negativ fällt bei der JURA der im Vergleich höchste Preis sowie die für Studierende eigentlich zu starren Kündigungsregelungen (Stand Oktober 2008: nur jährlich mit dreimonatiger Frist) ins Gewicht.

Zeitschriften der Repetitorien

Die Zeitschriften der großen, bundesweit agierenden Repetitorien haben den Vorteil, dass sie die jeweils aktuellste und examensrelevanteste Rechtsprechung in Fallform präsentieren, d. h. mit dem Aufbau, mit dem die Entscheidung in der Regel auch in der Klausur präsentiert werden muss. Zudem sind sie häufig noch ein klein wenig aktueller als die klassischen Ausbildungszeitschriften.

Die ("Rechtsprechungs-Übersicht") ist die Ausbildungszeitschrift des Repetitoriums Alpmann-Schmidt und war die erste Zeitschrift, die das Konzept der Darstellung aktueller Rechtsprechung in Fallform entwickelt hat. Sie kann auch nach dem Wechsel des Redaktionsteams uneingeschränkt empfohlen werden. Freilich sollte man sich im Vorfeld des Examens nicht unter Druck gesetzt fühlen, jede Entscheidung aus der RÜ kennen zu müssen, auch wenn die Trefferquote der RÜ erstaunlich hoch ist.

Hemmer Life & Law

Die Hemmer Life & Law ist die Ausbildungszeitschrift des Repetitoriums Hemmer. Sie hat ebenfalls das Konzept, die aktuelle examensrelevante Rechtsprechung in Fallform darzustellen, und steht der RÜ weder in Aktualität noch in der Qualität nach. Von der RÜ hebt sie sich dadurch ab, dass sie noch einen stärkeren Wert darauf legt, aus Anlass der durch die besprochene Entscheidungen aufgeworfenen Rechtsfragen noch einmal Grundlagen zu wiederholen.

Weiterhin sticht auch bei der Hemmer Life & Law der studentenfreundliche Preis ins Auge.

Die "Neuen" im Markt: NRÜ und ZJS

NRÜ

Die NRÜ ("Nomos Rechtsprechungsübersicht") ist eine neue Ausbildungszeitschrift für Studierende aus dem Nomos-Verlag. Sie entstand durch den Wechsel des alten Redaktionsteams der RÜ von Alpmann-Schmidt rund um Professor Schwemer zur Beck-Akademie. Die NRÜ entspricht weitgehend dem Konzept der alten RÜ, und nach mittlerweile einem dreiviertel Jahr am Markt lässt sich sagen, dass auch die Auswahl der Entscheidungen mit gewohnt sicherer Hand erfolgt.

Angenehm fällt an der NRÜ auch auf, dass sich die Eigenwerbung für Verlagsprodukte in engen Grenzen hält. Sie ist somit eine echte Alternative zu RÜ und der Hemmer Life & Law gerade auch für diejenigen, die aus was für Gründen auch immer eine gewisse Distanz zu den genannten Repetitorien pflegen.

ZJS

Die zjs-online.com ("Zeitschrift für das juristische Studium") ist die erste kostenlose online-Ausbildungszeitschrift für Jurastudierende. Sie orientiert sich in den Inhalten an der Art der klassischen Ausbildungszeitschriften, ohne freilich bisher deren Umfang in der Zahl der Klausur-Fälle sowie der verarbeiteten Rechtsprechung zu erreichen. Ein interessantes Projekt, das weiter aufmerksame Beobachtung verdient und allemal als Fundgrube für den ein oder anderen Übungsfall taugt.

Fazit: Der Markt der juristischen Ausbildungszeitschriften hat sich durch das Auftauchen vor allem der NRÜ sehr belebt. Schon deswegen ist ihr ein guter Erfolg zu wünschen. Letztlich aber hat jede der vorgestellten Zeitschriften ihren eigenen Stil und ihre eigenen Vorteile, so dass es hier darauf ankommt, selbst zu vergleichen, um die für sich passende Ausbildungszeitschrift zu finden.

Mehr zum Thema:

NRÜ-Redaktionschef Prof. Schwemer über seinen Wechsel von Alpmann-Schmidt zur Beck-Akademie

Jens Ferner: Vergleich juristischer Ausbildungszeitschriften auf jurakopf.de